Schwimmt ein Fisch im Gewächshaus…
Aquaponik?
Die Schülerinnen und Schüler der Sankt Mauritius-Sekundarschule Halle (Saale) wissen, was das ist.
Vor gut anderthalb Jahren kam Biologielehrer Pascal Riedemann mit der Idee eines Aquaponik-Gewächshauses in die Schule und rannte damit offene Türen ein. Heute steht es, wie auf den Fotos zu sehen ist, auf dem Schulhof. Noch ist nicht alles fertig, aber die ersten Tomaten wurden bereits geerntet. In den kommenden Monaten soll die Anlage vollständig in Betrieb gehen. Dann werden Fischbecken und Pflanzenbeete miteinander verbunden. Denn das ist das Besondere: Das Gewächshaus kombiniert Fischzucht und Pflanzenanbau in einem geschlossenen Wasserkreislauf. Die Fische produzieren im Wasser Ausscheidungen, die Ammoniak enthalten. In einem Biofilter wandeln Bakterien das giftige Ammoniak über Nitrit in Nitrat um. Das wiederum nehmen Pflanzen wie etwa Salat oder Kräuter als natürlichen Dünger auf. Gleichzeitig reinigen sie das Wasser, bevor es wieder ins Fischbecken zurückfließt.
Praktisch alles in Eigenregie
Und noch etwas ist besonders. Die Schülerinnen und Schüler haben das Projekt von Beginn an selbst mitgestaltet. Mehrere Achtklässler (jetzt sind sie in der 9. Klasse) machten sich mit Feuereifer an die Arbeit. Einige hatten bereits Erfahrung mit Werkzeug. Wer damit wenig anfangen konnte, fand andere Aufgaben: Sie fotografierten, dokumentierten die Arbeit und bauten einen Instagram-Kanal für das Projekt auf. Gemeinsam wurde ausprobiert, gebaut und nach Lösungen gesucht. Unterstützt vom Schul-Hausmeister Danny Barth (auf dem Foto links) und Biologielehrer Pascal Riedemann (auf dem Foto rechts) schachteten die Schülerinnen und Schüler, setzten Schalungen, schraubten zusammen, manches wieder auseinander und noch einmal neu zusammen .... So lernten die Jugendlichen nicht nur, wie ein Gewächshaus gebaut wird, sondern vor allem, wie man ein Projekt plant, Verantwortung übernimmt und als Team arbeitet.
Lernen, wie alles zusammenhängt
Neben all dem verbindet das Projekt fachübergreifend Wissen: In Biologie werden Wasserproben untersucht und mikroskopiert, Chemie erklärt die Prozesse im Wasserkreislauf, Physik beschäftigt sich mit der Photovoltaikanlage, im Technikunterricht wird gebaut und im Hauswirtschaftsunterricht können die geernteten Lebensmittel verarbeitet werden. Auch für die Berufsorientierung bietet sich zahlreiche Anknüpfungspunkte: Vom Holzbau über Garten- und Landschaftsbau bis hin zu Elektrotechnik, Wasserwirtschaft, Mikrobiologie oder Labortechnik.
So geht es weiter
Das Gewächshaus ist Herzstück des Projektes Campus Cultiva.
So heißt der Lern- und Produktionsraum, der rund um das Gewächshaus entsteht. Er soll nachhaltige Anbaumethoden demonstrieren und den bewussten Umgang mit knappen Ressourcen wie Wasser und Boden fördern. Genutzt werden Regenwasser und Solarenergie. Pascal Riedemann sagt: „In den nächsten Jahren sollen Außen- und Hochbeete angelegt und ein großflächiges Regenwassersammelsystem aufgebaut werden. Mit
Sitz- und Aufenthaltsbereichen kann hier auch eine Art grünes Klassenzimmer entstehen, das Unterricht im Freien gestattet.“ Viele Partner und Förderer ermöglichten das Projekt. Den größten Teil der Photovoltaikanlage beispielsweise stellte der regstrom e.V. bereit.
Projekt überzeugt Jury
Campus Cultiva erhielt im September den Bundespreis „Blauer Kompass“ in der Kategorie „Schulen“. Der gemeinsame Preis von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt ist die höchste staatliche Auszeichnung für Klimafolgeprojekte. Sie würdigt Projekte, die die Herausforderungen des Klimawandels proaktiv und zukunftsorientiert angehen. Hier einen Film dazu vom Schulprojekt in Halle (Saale) anschauen.
Folgen Sie den Jugendlichen und ihrem Schulprojekt: instagram.com/Campus_cultiva
Was ist und was macht der regstrom e. V.?
Der Verein zur Förderung der regenerativen Stromerzeugung für Halle e. V. (regstrom e. V.) realisiert und unterstützt Projekte zur regenerativen Stromerzeugung in Halle (Saale). Dazu gehören Demonstrationsanlagen ebenso wie Bildungsangebote für Schülerinnen und Schüler. Die Projekte dienen dazu, Funktionsweisen und Einsatzmöglichkeiten einzelner Technologien sichtbar zu machen. Daneben bietet der Verein Fachveranstaltungen an, die Wissen zur Energiewende vermitteln. Um das zu ermöglichen, zahlt die EVH GmbH von jeder verkauften Kilowattstunde Halplus Ökostrom 0,25 Cent auf ein Sonderkonto. Über die Verwendung des Geldes entscheidet regstrom e. V. gemäß seiner Satzung.
Eines der ersten Projekte ist übrigens im Bergzoo Halle zu sehen. Dort errichtete der Verein regstrom e. V. 2009 gemeinsam mit halleschen Institutionen und Privatpersonen eine Photovoltaik-Anlage, die als Seilnetz eine einmalige Anmutung sowie hohen Demonstrationswert besitzt. 495 einzellige Module liefern Strom, der im Zoo verwendet und umweltpädagogisch thematisiert wird.