Stefanie Rittners: Ich sorge dafür, dass …
Daumendrücken für Wilde Möhre & Wiesenhafer
In einer Saatmischung für eine Blühwiese stecken bis zu 60 verschiedene Arten Kräuter und Gräser. Zwischen Wilder Möhre, Ruchgras und Wiesenhafer kennt sich Stefanie Rittners gut aus.
„Wasser und Natur sind meine liebsten Umweltthemen“, sagt die studierte Biogeowissenschaftlerin, die seit 17 Jahren bei der EVH GmbH arbeitet. Stefanie Rittners ist dort Umweltmanagement- und Gewässerschutzbeauftragte und setzt ihr Fachwissen auch in der Energieversorgung Halle Netz GmbH, der Stadtwerke Halle-Holding und der Heizkraftwerk Halle-Trotha GmbH ein. Jährliche Umweltaudits, Begehungen, das Entwickeln von Umwelt-Konzepten und Ideen, wie der umweltökonomische Gedanke immer stärker im Alltag der gesamten Stadtwerke-Gruppe verankert werden kann, bestimmen ihre Arbeitstage. „Uns leitet die Frage, wie sich wirtschaftliche Aspekte mit ökologischen und sozialen verbinden lassen.“
Das „Projekt Blühflächen“ ist bei all dem nur ein kleines. Aber ein großes Herzensprojekt. An zunächst drei Standorten legt die SWH-Gruppe Blühwiesen auf eigenen Betriebsflächen an, um das Konzept und die Kosten zu erproben. Ist das erfolgreich, kommen viele weitere Flächen dazu, denn das Flächenpotenzial im Stadtwerke-Konzern ist sehr groß. Sie sollen die Artenvielfalt von und für die Insekten- und Pflanzenwelt fördern. In diesem Sinne soll auch die Kooperation mit der Stadt gestärkt werden. Denkbar ist etwa das Zusammenlegen von Flächen für eine gemeinsame Bewirtschaftung. Das würde gerade in Hitzeperioden die Klimaresilienz und damit Lebensqualität erhöhen.
„Erste Erfahrungen mit solchen Flächennutzungen haben wir schon gemacht“, sagt Stefanie Rittners und verweist beispielsweise auf Photovoltaik-Freiflächen oder die Blühwiese auf der Deponie Lochau. Wie dort setzen die Stadtwerke auch beim neuen Projekt wieder auf die fachliche Begleitung der Hochschule Anhalt, die die Biodiversitätsmaßnahmen auf den Betriebsflächen systematisch im Rahmen einer Kooperation begleiten. „Dort habe ich mich auch in Sachen Blühflächen fit gemacht.“ Stefanie Rittners weiß, was alles zu beachten ist, damit eine Wiese auch wirklich erblühen kann: Bodenqualität und Lage bestimmen, welche Pflanzenmischung ausgebracht werden kann. „Für alle aber gilt: regional, artenreich, mehrjährig und im besten Fall klimaresistent ist das Saatgut, dass wir ab Herbst 2026 am Heiderand, vor dem HAVAG-Betriebshof in der Freiimfelder Straße und auf der Kläranlage Halle-Nord in die Erde bringen.“ Für die insgesamt mehr als 800 m² Fläche heißt es dann Daumen drücken, dass auch das Wetter mitspielt und die Wunscharten im nächsten Jahr auflaufen.
Funktioniert alles so wie erhofft, wird der höhere Erstaufwand mit einem geringeren Pflegeaufwand belohnt: eine Blühwiese muss nur zweimal pro Jahr gemäht werden. Das übernimmt dann mit der SGS ebenfalls ein Stadtwerke-Unternehmen.
Stefanie Rittners hofft im wahren Wortsinn auf blühende Landschaften. Das rette die Welt nicht, sei aber ein kleiner Baustein dafür – und dafür, dass die Stadt wieder ein Stück bunter wird. Als stolze Hallenserin denkt sie zurück an ihre Kindheit in der „Diva in grau“ und wünscht sich „mehr Bewusstsein dafür, wie wirklich schön es inzwischen hier ist. Ich wäre glücklich, wenn Umweltschutz ebenso selbstverständlich für uns alle wird wie essen, trinken, atmen und lieben.“
Stefanie Rittners ist eine von 417 Mitarbeitenden der EVH GmbH in der Stadtwerke Halle-Gruppe. Sie sorgen dafür, dass in Halle (Saale) das Licht nicht ausgeht und Wärme in die Häuser kommt.
Gut zum Durchatmen
Am Standort der Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau (AWH) wurde im September 2025 auf rund 2.000 Quadratmetern eine Blühwiese angelegt. Hier wächst eine Wildpflanzenmischung aus 43 verschiedenen mehrjährigen, heimischen Arten. Diese Pflanzen bieten einen wichtigen Rückzugsort und dienen als Nahrungsquelle für zahlreiche Insektenarten. Übrigens: Eine Blühwiese dieser Größe bindet jährlich außerdem 0,8 Tonnen CO2.
Hier summen Stadtwerke-Bienen
Auch Bienenweiden haben die Stadtwerke Halle in den vergangenen Jahren schon angelegt. Am Schalthaus Weinberg, im Energiepark Dieselstraße und am Umspannwerk Halle-Zentrum entstanden so beste Bedingungen für Bienen und andere Wildbestäuber.