30 Jahre MGT6 in Halle: Zeitreise auf Schienen
Seit 30 Jahren gehören die MGT6-Straßenbahnen zum Stadtbild von Halle (Saale). Mit einer besonderen Sonderfahrt hat die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG), ein Unternehmen der Stadtwerke Halle-Gruppe, das Jubiläum der Fahrzeuggeneration gefeiert. Gemeinsam mit ehemaligen und langjährigen Mitarbeitern sowie Wegbegleitern blickte die HAVAG auf die Geschichte des MGT6 zurück – und zugleich auf die Zukunft des Straßenbahnverkehrs in Halle.
© Hallesche Verkehrs-AG
Nach einleitenden Grußworten von HAVAG-Vorstand Vinzenz Schwarz ging es mit einem MGT6 vom Betriebshof Freiimfelder Straße auf eine dreistündige Zeitreise durch Halle.
Im Mittelpunkt standen dabei vor allem die Menschen hinter den Fahrzeugen. Ulrich Pietschmann, ehemaliger Leiter der Fahrschulausbildung, erinnerte an die Einführung des MGT6 und die besonderen Anforderungen, die der neue Fahrzeugtyp damals an die Ausbildung der Fahrerinnen und Fahrer stellte. Michael Georgi berichtete darüber, wie die Fahrschulausbildung anschließend weiterentwickelt wurde.
Einen weiteren Blickwinkel brachte Egbert Kluge, langjähriger Bereichsleiter Vertrieb/Marketing/Kundenservice, ein. Er berichtete über die Beschaffung und Kommunikation rund um den MGT6 und gab Einblicke in die Entwicklung der Fahrzeuggeneration. Auch der eigens für den MGT6 errichtete Betriebshof Rosengarten sowie die Mitarbeit an verschiedener Literatur zur halleschen Straßenbahn waren Themen der Zeitreise.
Neben den Erinnerungen an die Anfangsjahre ging es auch um den Alltag mit dem MGT6. Mitarbeitende aus Werkstatt und Fahrdienst berichteten über die Anforderungen, ein Fahrzeug über drei Jahrzehnte zuverlässig im täglichen Einsatz zu halten und zu fahren.
Historie
Der Weg zum MGT6 begann bereits 1991: Auf Initiative der HAVAG beschloss der Stadtrat Halle die Beschaffung von Niederflurstraßenbahnen – zu einem Zeitpunkt, als deutschlandweit lediglich in Kassel eine Serie solcher Fahrzeuge im Einsatz war. Zur Erprobung lieferte die DÜWAG AG (heute Teil von Siemens Mobility) 1992 mit dem Triebwagen 500 ein bauartgleiches Fahrzeug aus der Bochumer Produktion nach Halle. Am 17. November 1992 traf der Prototyp ein und machte Halle zur ersten Stadt in Ostdeutschland mit einem Niederflurwagen dieser Bauart – bei einem Niederfluranteil von 70 Prozent.
Bei der anschließenden Ausschreibung war die politische Vorgabe zur Wertschöpfung in den neuen Bundesländern zu berücksichtigen; von den beiden damaligen deutschen Herstellern von Niederflurstraßenbahnen, DÜWAG und MAN, erhielten die DÜWAG mit ihrem Werk Bautzen und DWA den Zuschlag. Am 26. April 1996 wurde der erste Serienwagen (Nr. 601) angeliefert und am 2. September 1996 in Dienst gestellt, kurz darauf folgte am 31. Mai 1996 der zweite Serienwagen (Nr. 602), der am 19. September 1996 den Betrieb aufnahm. Bereits am 6. Mai 1996 war der Grundstein für den eigens errichteten Betriebshof Rosengarten gelegt worden. Die Serienlieferung erfolgte schrittweise bis zum 27. März 2001, als das 60. und letzte Fahrzeug eintraf.
Mit der ausreichenden Anzahl an Zweirichtungsfahrzeugen konnte die HAVAG die bis dahin üblichen Tatra-Großzüge vollständig ersetzen. Sie kamen mit der Eröffnung der Neubaustrecke nach Halle-Neustadt gezielt auf den dortigen Linien zum Einsatz und verkehrte vor allem auf der Linie 2 viele Jahre als 60m lange Doppel-Traktion. Über die Jahre wurde der MGT6 mehrfach technisch modernisiert: Rollfilme wichen Matrixanzeigen, es folgten der Einbau von Fahrkartenautomaten, mobilen Spaltbrücken und energiesparender LED-Technik sowie die Nachrüstung mit optischer und akustischer Türschließwarnung. Zehn Fahrzeuge erhielten im Rahmen von Hauptuntersuchungen eine neue Antriebssteuerung.
Menschen im Mittelpunkt: Wer den MGT6 über drei Jahrzehnte geprägt hat
„30 Jahre MGT6 sind 30 Jahre Stadt- und Verkehrsgeschichte. Viele Menschen in Halle verbinden mit diesen Bahnen persönliche Erinnerungen – vom Schulweg über den täglichen Weg zur Arbeit bis zu besonderen Erlebnissen“, sagt Vinzenz Schwarz, Vorstand der Halleschen Verkehrs-AG. „Mit unserer Sonderfahrt wollten wir deshalb nicht nur auf die Technik schauen, sondern vor allem den Menschen eine Bühne geben, die den MGT6 über drei Jahrzehnte begleitet und geprägt haben.“
Ein Erinnerungsstopp in Kröllwitz bot den Teilnehmenden Gelegenheit für ein gemeinsames Jubiläumsfoto. Zum Abschluss wurde der Blick auf die Zukunft gerichtet: Am Betriebshof trafen drei Generationen der Halleschen Straßenbahn aufeinander: der MGT6, der MGTK und die neue TINA-Generation, die bereits erste Kilometer im Probebetrieb sammelt.
Ein besonderer Moment am Jubiläumstag
Der zweite MGT6-Serienwagen (Nr. 602) wurde dem Verein „Hallesche Straßenbahnfreunde e. V." feierlich zum langfristigen Erhalt übergeben. Damit wurde beim Jubiläum deutlich: Der MGT6 gehört seit 30 Jahren zum Halleschen Stadtbild. Gleichzeitig steht mit der TINA bereits die nächste Generation in den Startlöchern.
30 Jahre unterwegs – und die Geschichte geht weiter.
© Hallesche Verkehrs-AG
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