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Deponie Halle-Lochau: Ein Meilenstein im Kreislaufdenken

Porträt Daniel Friedrich
Daniel Friedrich, Geschäftsführer der AWH (Foto: Stadtwerke Halle GmbH)

Vor 50 Jahren entstand die Deponie Halle-Lochau. Damals wurde dort der Haushaltsmüll aus Halle (Saale) und umliegenden Gemeinden eingelagert. Heute ist die Aufgabe der Abfallwirtschaft Halle-Lochau GmbH (AWH) eine andere. Denn, in fünf Jahrzehnten hat sich der Umgang mit dem Müll grundlegend gewandelt: Weg vom reinen Entsorgen hin zum Kreislaufdenken. Ein Gespräch mit Daniel Friedrich, Geschäftsführer der AWH.

Herr Friedrich, die AWH feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich?

Daniel Friedrich: Wenn man so lange Teil eines Unternehmens ist, wird aus Arbeit irgendwann auch Geschichte. Ich habe- in meinen 23 Jahren bei der AWH viele Entwicklungen miterlebt. Dass wir heute auf 50 Jahre zurückblicken können, ist ein Zeichen dafür, wie sehr wir uns mit unserem veränderten Aufgabenverständnis mitentwickelt haben. Den Weg vom reinen Entsorgen hin zum Denken in Kreisläufen gestalten wir aktiv mit.

Wie hat die Geschichte der Deponie Halle-Lochau begonnen?

Daniel Friedrich: Das war 1976. Die Deponieanlage der DDR entstand in einem Tagebaurestloch. Hierher wurden die Abfälle aus den Haushalten der Stadt Halle (Saale) und umliegender Gemeinden gebracht und eingelagert. Bis 2005 waren das etwa 18 Millionen Tonnen Abfall. Die Aufgabe haben wir nach der Wende 1990 als kommunales Unternehmen mit der damals neugegründeten Abfallwirtschaft Halle-Lochau übernommen. Seit 20 Jahren ist das Ablagern von unbehandeltem Müll hier nicht mehr zulässig. Für mich ist Halle-Lochau ein Meilenstein im Kreislaufdenken, weil sich an diesem Ort besonders gut zeigen lässt, wie sich Abfallwirtschaft weiterentwickelt hat.

Gab es einen Moment, der diesen Wandel besonders deutlich gemacht hat?

Daniel Friedrich: Ja, ganz klar. Der 1. Juni 2005 war ein Wendepunkt. An diesem Tag wechselten wir von der Ablagerungs- in die Stilllegungsphase. Unser Arbeitsalltag änderte sich völlig: Wurde der Müll bis dahin angenommen, zerkleinert und verdichtet, führen wir heute die Deponie wieder in einen natürlichen Zustand zurück.

Was bedeutet Stilllegung konkret? Wie muss man sich die Arbeit heute vorstellen?

Daniel Friedrich: Im Kern geht es um geotechnische Sicherung und zwar Schicht für Schicht. Der Deponiekörper ist kein „einfacher Haufen“, sondern ein technisches Bauwerk. Die Abfälle wurden über Jahre hinweg schichtweise eingebaut, verdichtet und abgedeckt. Heute sichern wir das alte Tagebaurestloch so, dass keine Gefahren für Schutzgüter entstehen. Dazu kommen Drainageschichten zur Wasserregulierung, eine Bodenschicht, die sogenannte Wasserhaushaltsschicht – und schließlich die Aufforstung. Das ist ein langer, sorgfältiger Prozess, der Schritt für Schritt umgesetzt wird.

Warum ist diese Arbeit mehr als reine Technik?

Daniel Friedrich: Weil sie Teil eines größeren Wandels ist. Früher stand die Entsorgung im Mittelpunkt, heute geht es um Nachhaltigkeit sowie Ressourcen- und Klimaschutz. Die Deponie wird schrittweise wieder in den natürlichen Kreislauf eingebracht. Sie gibt der Natur etwas zurück.

Sie sprechen von Abfall als Ressource. Was meinen Sie damit?

Daniel Friedrich: Müll ist eine Ressource, die genutzt werden muss. Wir können damit Primärrohstoffe ersetzen. Viele Bürgerinnen und Bürger wissen gar nicht, was eine Stilllegungsphase eigentlich bedeutet und denken, wir schließen einfach. Mir persönlich ist wichtig, dass die Menschen uns als das sehen, was wir sind: ein Partner, der für Vertrauen und Verlässlichkeit steht. Mein ganz persönliches Ziel ist es, dass Familien in ein paar Jahrzehnten auf dem Deponiegelände spazieren gehen und nur noch ein Naturgebiet sehen.

Dieser Wandel betrifft aber nicht nur die Deponie selbst, oder?

Daniel Friedrich: Nein, er zeigt sich auch im Alltag vieler Menschen. In Küchen, Hinterhöfen und an Mülltonnen wird heute genauer hingeschaut. Was kommt wohin? Was lässt sich trennen, was weiterverwenden? Abfall ist für viele Teil einer täglichen Entscheidung. Und das Bewusstsein wächst, dass Abfall nicht einfach verschwindet, sondern weiterwirkt.

Wohin führt dieser Weg, wie entwickelt sich die Deponie in Zukunft weiter?

Daniel Friedrich: Für mich liegt die Zukunft der Deponie in ihrer fortschreitenden Optimierung. Digitale Systeme und KI-gestützte Auswertungen können helfen, Abläufe präziser zu steuern und Ressourcen noch nachhaltiger einzusetzen. Die Ressource Abfall ist längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen. Sie bleibt Teil eines Kreislaufs, der immer wieder neu gedacht werden muss. Dafür sind auch Gesetze stetig weiterzuentwickeln. Die AWH begleitet diesen Weg mit Verantwortung und mit Blick nach vorn.

Aus der einstigen Deponie Halle‑Lochau entsteht heute ein neues Naturgebiet. Moderne Rekultivierung, digitale Lösungen und nachhaltiges Denken zeigen, wie aus Abfall wieder Lebensraum wird. Zurück zur Natur – 50 Jahre Wandel

18.04.2026