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Sachsen-Anhalt fördert technischen Großversuch zur innovativen und kostengünstigen Abwasserreinigung

Ein Gruppe von eingeladenen Offiziellen zum Fördermittelbescheid vor einem Container.
(v.l.) Dr. Klaus Krüger (Projektpartner GMBU e.V.), Dr. Steffen Eichner (Staatssekretär, Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt), Matthias Lux (Vorsitzender der Geschäftsführung, Stadtwerke Halle GmbH & Vorsitzender des Vorstandes des Kompetenzzentrums Wasserwirtschaft), Prof. Dr. Jürgen Wiese (Projektleiter Hochschule Magdeburg-Stendal) und Dr. Christian Göbbert (Nanostone) (Foto: Stadtwerke Halle GmbH)

Die Zentralkläranlage in Halle-Nord weckt nicht das erste Mal öffentliches Interesse durch Innovationsfähigkeit und Kostenbewusstsein. Die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH (HWS), ein Unternehmen der Stadtwerke Halle, konnte bereits Schritte der Kläranlage zur Energieneutralität dokumentieren, die im Ergebnis den CO2-Fußabdruck dieser energieintensiven Anlage deutlich verringern und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten - aber gekoppelt mit deutlichen Kostenreduzierungen. Vor 14 Tagen berichteten die Stadtwerke Halle und die EVH im Zuge des Stadtratsbeschlusses zur Kommunalen Wärmeplanung (KWP) über die geplante Großwärmepumpe im Ablauf der Kläranlage, die einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärme leistet. Heute ist die Kläranlage Halle-Nord Teil eines technischen Großversuchs führender Wissenschaftseinrichtungen und Industrieunternehmen in Sachsen-Anhalt, das auf eine innovative und kosteneffiziente Abwasserreinigung abzielt. In diesem Zusammenhang übergibt Dr. Steffen Eichner dem Projektleiter Prof. Dr. Jürgen Wiese einen Fördermittelbescheid in Höhe von 552.000 Euro aus Haushaltsmitteln für das Vorhaben, das bis Ende 2028 abgeschlossen werden soll.

Herr Eichner übergibt an Herrn Wiese den Fördermittelbescheid
Dr. Steffen Eichner (l.), Staatssekretär, Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt übergibt den Fördermittelbescheid an Prof. Dr. Jürgen Wiese (r.), Projektleiter Hochschule Magdeburg-Stendal (Foto: Stadtwerke Halle GmbH)

Quelle: Stadtwerke Halle GmbH
Datum: 13. Mai 2026

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Frau zeigt eine Versuchsanrichtung im Labor
Antonia Rübestahl (Chemielaborantin der HWS) zeigt ein UV-Reaktor im Labor zur Erprobung neuer Verfahren für die Abwasserreinigung. (Foto: Stadtwerke Halle)

Was war der Anlass für den technischen Großversuch?

Dr. Steffen Eichner, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, sagt: „Die Reduktion von Spurenstoffen und Mikroplastik im Ablauf kommunaler Kläranlagen gewinnt an Bedeutung. Ursachen sind u. a. erhöhter Medikamenteneintrag in Folge der demografischen Bevölkerungsentwicklung, der Eintrag von Mikroplastik u. a. aus kosmetischen Produkten und Reifenabrieb, sowie die fortschreitende Entwicklung analytischer Nachweisverfahren, die uns zum Handeln zwingen. Hinzu kommt, dass die Notwendigkeit einer vollständigen Abwasserreinigung zum Schutze des Grundwassers und damit des Wasserkreislaufes durch schärfere gesetzliche Vorgaben flankiert wird, wie etwa die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie. Um diese Anforderungen umzusetzen, bedarf es neuer innovativer Verfahren, die einen umweltökonomischen Ansatz verfolgen und somit wesentlich verbesserte Reinigungsleistungen bei hoher Kosteneffizienz sicherstellen.“

Matthias Lux, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Halle GmbH und Vorsitzender des Vorstandes des Kompetenzzentrums Wasserwirtschaft, dankt dem Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft für die Initiative, ein Konsortium zur Umsetzung des technischen Großversuches aus der Hochschule Magdeburg-Stendal, der Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelt- Technologien e.V. und der HWS zu bilden. Er verweist darauf, dass namhafte Unternehmen an der Umsetzung des großtechnischen Versuches, wie die Nanostone Water GmbH und die Surflay Nanotec GmbH beteiligt sind. „Sehr gern haben die Stadtwerke Halle die Kläranlage Halle-Nord für die Umsetzung des technischen Großversuches zur Verfügung gestellt“, sagt Matthias Lux.

Die Hochschule Magdeburg-Stendal hat gemeinsam mit der Nanstone Water GmbH und der Surflay Nanotec GmbH eine keramische Membran entwickelt, die durch Polyelektrolyt-Beschichtungen funktionalisiert werden kann und hinsichtlich des Medikamentenrückhalts ihre Wirksamkeit bereits nachgewiesen hat. Die GMBU e.V. hat ein weiteres Verfahren entwickelt und erfolgreich im Labormaßstab getestet. Dieses kombiniert die Anwendung von Oxidationsmitteln und UV-Strahlung. Für eine Übertragung in die Großtechnik sowie für die Gewinnung von Kenndaten zur Übertragbarkeit auf weitere Anwendungsmöglichkeiten, ist eine Erprobung im großtechnischen Maßstab, in Form eines Reallabors ein unbedingt notwendiger Schritt.

Prof. Dr. Jürgen Wiese (Projektleiter) betont: „Hierfür ist der Einsatz von Containeranlagen vorgesehen, welche an den Standort adaptiert und in der Versuchsphase bei Bedarf angepasst werden können. Die Untersuchungen mit Hilfe der Containeranlagen tragen dazu bei, anwendungsspezifische Adaptionen sowie vergleichende Untersuchungen beider in Sachsen-Anhalt entwickelter Verfahren zur Findung von Best-Practice-Lösungen durchführen zu können.“

Dr. Klaus Krüger ergänzt: „Beide in Sachsen-Anhalt entwickelte Verfahrenskonzepte können eine effiziente Alternative zu den bereits bekannten Verfahren der 4. Reinigungsstufe darstellen. Nachdem diese im Labormaßstab ihre Wirkung bewiesen haben, soll nun der nächste Schritt auf dem Weg einer großtechnischen Umsetzung / Pilotierung gegangen werden.“

Dr. Steffen Eichner macht darauf aufmerksam, dass mit Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie eine schnelle Umsetzung des großtechnischen Versuches erforderlich ist, um die Ergebnisse der Laborversuche zu bestätigen und einen kurzfristigen Technologietransfer und damit eine breitenwirksame Anwendung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicherzustellen.

Zur Unterstützung dieses Prozesses übergibt Dr. Steffen Eichner an den Projektleiter Prof. Dr. Jürgen Wiese einen Fördermittelbescheid i. H. v. 552.000 € aus Haushaltsmitteln für das Projekt, welches bis Ende 2028 abgeschlossen sein wird. Prof. Dr. Jürgen Wiese bedankt sich für die Unterstützung des Landes.

Matthias Lux betont abschließend, dass das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft nicht nur als Koordinator dieses Projektes wirkt, sondern die Ergebnisse durch seine intensive Vernetzung in Mitteldeutschland auch schnell praxisnah umsetzen kann.

13.05.2026