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Hinter den Kulissen

Die HAVAG unternimmt viel, um Unfälle zu vermeiden

Von: Iris Rudolph

Zwei Männer im Gespräch auf einer Straße
Andreas Gierloff, Leiter Operative Verkehrsorganisation bei der HAVAG, erklärt Dirk Skrzypczak, Chefreporter Halle der Mitteldeutschen Zeitung (links), die Pläne zur Unfallvermeidung

Andreas Gierloff ist ein Mann der Tat. Seit vielen, vielen Jahren leitet er mit großem Engagement die HAVAG-Leitstelle – die sozusagen das Herz des Unternehmens ist - und kümmert sich um die Operative Verkehrsorganisation. „Gemessen an der Verkehrsdichte in der Stadt ist die Straßenbahn nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel“, sagt Gierloff. 8,6 Millionen Kilometer fahren die Bahnen und Busse der HAVAG pro Jahr, stündlich sind im Durchschnitt 65 Züge und 38 Busse gleichzeitig unterwegs. Das wichtigste neben der Sicherheit ist, dass der Verkehr fließt, damit die Busse und Straßenbahnen unsere Fahrgäste pünktlich an ihr Ziel bringen können“, erzählt der fast 60-Jährige. Dabei ärgert es ihn oft, dass Unfälle zwischen Autos und Straßenbahnen passieren, die unnötige Störzeiten für den ÖPNV verursachen. Die Unfälle wären oft vermeidbar, wenn sich erstere an die Straßenverkehrsordnung halten würden.

Delitzscher Straße: Autofahrer ignorieren Wendeverbot / geänderte Ampelschaltung hilft

Autos auf einer Kreuzung
An der Kreuzung Delitzscher Straße/Fiete-Schulze-Straße hat es dieses Jahr schon elfmal gekracht

Bestes Beispiel ist die Kreuzung Delitzscher Straße/Fiete-Schulze-Straße im Osten Halles. Seit Anfang des Jahres 2017 hat es hier bereits elfmal zwischen Straßenbahnen und Autos gekracht. Der Grund ist immer der gleiche: Autofahrer, die auf der Delitzscher Straße in Richtung Innenstadt unterwegs sind, ignorieren das Wendeverbot und fahren zurück nach Büschdorf. Dass die Ampelanlage für die Tram der Linie 7 und den Straßenverkehr gleichzeitig auf Grün schaltet, verschärft die Lage. „Wir hatten hier schon Verletzte, vom Sachschaden ganz zu schweigen“, sagt Andreas Gierloff. Zudem kommen je nach Unfall Standzeiten von etwa 30 Minuten zustande und bei schweren Kollisionen fallen Straßenbahnzüge länger aus. Und weil Andreas Gierloff keine langen Verwaltungswege mag, nimmt er das Zepter selbst in die Hand reagiert direkt – natürlich in Absprache mit der Stadt: Seit 14. August ist die Ampelsteuerung am Knoten neu programmiert: Die Straßenbahn bekommt einige Sekunden früher grün als die Autos. „Wir hoffen, dass wir damit die kritische Situation entschärfen. Wenn verschiedene Baustellen im Umfeld beendet sind, wird sich die Lage nochmals entspannen“, sagt Gierloff. 

Erhöhter Bordstein an den Gleisen soll Abhilfe schaffen

„Des Weiteren werden wir Leiteinrichtungen im Gleisbereich installieren, um das widerrechtliche Wenden zu verhindern“, erklärt Andreas Gierloff weiter. Im Böllberger Weg wurden diese bereits installiert, in Delitzscher Straße sind sie geplant. An der Berliner Straße/Jahnstraße hat die HAVAG bereits eine Verkehrshinweistafel installiert, die auf die Unfallträchtigkeit hinweist. „Hier hatten wir 2017 bereits 6 Unfälle. Seit die Tafel steht aber keinen mehr“, so Gierloff. „Die Kreuzung Paul-Suhr-Straße/Murmansker Straße/Amsterdamer Straße wird bis Ende 2017 im Rahmen des Stadtbahnprogrammes ausgebaut und eine Lichtsignalanlage installiert. Im vergangenen Jahr konnten wir eine Unfallhäufungsstelle aus dem Jahr 2015 in der Ludwig-Wucherer-Straße entschärfen – ebenfalls durch das Installieren von Leiteinrichtungen im Gleisbereich.“

300 Störminuten durch Falschparker in der Geiststraße

Hinweisschild auf Parkuhr
Hinweisschilder fordern Autofahrer auf, genau zu parken

Ein anderes Problem nervt vor allem in der Geiststraße - Fahrzeuge, die zu weit in die Straße hinein parken, so dass Bahnen nicht passieren können. 59 Vorfälle dieser Art listet die HAVAG im Jahr 2017 bislang auf, hinzu kommen ähnliche Schwierigkeiten in der Seebener Straße. Auf 13 Stunden summieren sich die Verspätungen, weil die Bahnen nicht fahren konnten. Nach einem Vorbild aus der Schweiz wurden in beiden Straßen nun Tafeln installiert, die Autofahrer auffordern, die gekennzeichneten Flächen zu nutzen - und nur die. „Parken Sie genau“, heißt es auf den eigens kreierten Schildern.

05.09.2017